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Freitag, 7. Dezember 2012

Künstliche Verpieptheit (Limerick)

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Comic-Schriftzug Limerick
Limerick von das A&O: "Künstliche Verpieptheit"

Saß ein Vogel im Nest und piepte:
"Oh, wie sehr ich dich einst doch liebte!"
Leider waren Nest und Baum
in Wahrheit aus Schaum.
So wa(h)r's. Die falsche Liebe verfliegte.

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Falsche Liebe und ein falsches Verb - zum Piepen, alles richtig so :) 
Was ist euer Traumschaum? Oder Lieblings-"Falschverb"?
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Dienstag, 31. Juli 2012

Da sind schon wieder deine Federn im Waschbecken! (Auf der Hühnerleiter mit Karen Duve)

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"Anständig essen: Ein Selbstversuch" von Karen Duve
Sitzsatz: 
„Damals lebte ich noch in Schleswig-Holstein, und es ging um die Hühner. Hühnerhaltung war die einzige Tierhaltung, bei der ich ein reines Gewissen hatte(…) . Unser Zusammenleben ähnelte dem einer lockeren Wohngemeinschaft, wobei die Hühner den Part übernahmen, der nie abwäscht.“

Mein Sitzsenf: 
Heute landet das A&O von der Wortwiese mitten auf der Hühnerleiter. Das Schöne an diesem Satzsitzzitat ist, dass sich im Lesekopf augenblicklich folgendes Bild aus dem Ei des Vorstellungsvermögens pellt: Hühner mit Puschen an den Krallen flegeln auf einem Sofa und zappen sich durch die kükenfreundliche Kanäle im TV. Zum Gackern! Mindestens zum Grinsen. Aber halt! Woher will der fantasievolle Kopf denn bitteschön wissen, dass in diesem erdachten Bild im Wort „Sofa“ nicht drei Buchstaben ausgeeiert werden sollten, um es vielmehr zum „Sand“ zu machen? Die entsponnene Huhn-Frau-WG kann doch genausogut im Stall ein gackerndglückliches Wohnraum-Gefüge eingegangen sein! Hühnerhumor hin und Menschenmacht her, das ist nämlich exakt der allgemeingültige Kern in Karen Duves grün eingeschlagenem Buch. Sie begibt sich ganz auf Augenhöhe mit ihren Tieren. Und mit allen anderen Feder-, Fell- und Kiementragenden Lebewesen, die nicht (wie die Hennen in Schleswig-Holstein) das Glück hatten, ihre Hühnerpuschen unter den sinnbildlichen Gemeinschaftstisch der Autorin zu stellen: Das sind dann nämlich jene Tiere, die nach einem durchquälten Leben einen ebenso qualvollen Tod erfahren, um schließlich auf einem tatsächlichen Tisch zu landen.

Beim erneuten Lesen des Sitzsatzes sehe ich es dann also auch anders: Da streckt die Duve ihre starken Stiefel im Stall sitzend von sich und kräht die gackgluckende Runde zum Körnerpicken auf dem Strohsofa zusammen. 

Das A&O: 
Egal wie federfohlocker dieser Sitzsenf nach der langen Pause daherflattern sollte: Spricht oder schreibt man über „Anständig essen“ bleibt es nicht aus, auch in den unangenehmen Wahrheiten zu scharren – und das ist verdammt gut so! Gerade wegen dieser Fakten, die in Duves pointierten Worten punktlanden, wird dieses Buch zu einem, dass ich gewiss Zeit meines Leselebens in sämtliche WGs und Wohnungen mitumziehen werde. 

Wo steht der Sitzsatz? 
Anständig essen: Ein Selbstversuch von Karen Duve (von 2010).
Galiani Berlin // ISBN: 978-3-86971-028-0
 
Darf’s ein bisschen mehr sein? 
Darf es. Und muss es, denn das Thema ist wichtig. Das A&O wird noch häufiger in ganz unterschiedlichen Satzsitzen von Karen Duves literarischem Selbstversuch Platz nehmen. Das war nur der Anfang, denn wer war zuerst da: Huhn oder Ei? Antwort: Die Hühnerleiter …

Sonntag, 25. Dezember 2011

Please press Play on your parrot! (Keine Hängematte bei Robsinson Crusoe)

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Keine Hängematte bei Robinson Crusoe
Sitzsatz: 
„All the while I was at work, I diverted myself with talking to my parrot and teaching him to speak, and I quickly learned him to know his own name, and at last to speak it out pretty loud, ‚Poll‘, which was the first word I ever heard spoken on the island by any mouth but my own.“

Mein Sitzsenf: 
Hier sitzen wir auf dem Quasi-Ursprung aller Sitzsätze, einem der ersten Romane überhaupt. Und der steht dann ausgerechnet auf einer einsamen Insel. Jaja, weißer Strand, aber nach über 2 Jahren liegt selbst der blöd bremsend im Gemütsgetriebe von … Robinson Crusoe. Da ist nix mit gemütlich in der Hängematte chillen, dieser Sitzsatz steht am Rande des Wahnsinns und musste vom Protagonisten handgefertigt werden.

Zur Regenzeit sitzt Robinson dann nicht nur auf der Insel an sich fest, sondern ist zusätzlich in seiner Hütte gefangen. Drei Monate lang gibt er sich dann mal wieder seinem größten Fulltime-Job hin, nämlich, ein schwimmendes Objekt zu bauen. Währenddessen besteht seine einzige Gesellschaft aus einem gefiederten Aufnahmegerät: dem Papagei Poll (Poll! Das ist circa so originell, wie seinen Hund „Fifi“ oder seine Katze „Miez“ zu nennen. But then again, im 18. Jahrhundert war es vielleicht wirklich noch originell, besonders, wenn man verschollen war, und somit ohne andere Haushalte mit Käfigbewohnern namens Poll lebte … Doch dies nur am tierischen Rande der Sitzsatzinsel). Eines Tages gibt Poll also Robinsons Worte wieder, die ersten, die er auf der Insel „gesprochen“ hört, aus einem „Mund“, der nicht seiner war. Genaugenommen haben Robinsons Worte aber nichts als einen kleinen Rundwanderweg zurückgelegt: "Please press Play on your parrot Poll." Wer war zuerst da: das Wort oder der Papagei? 

Immer, wenn ich an dieser Stelle des fiktiven Tagebuchs andocke, passiert Folgendes: Mein Kopfkino-Robinson verliert seine verfilzten Zottelhaare und aus seiner ungewaschenen Haut wachsen grüne Federn; er bekommt den „Mund“, auf den er sich zuvor bezogen hat: einen orangen Schnabel. Also: JETZT! Flieg davon, Robinson, flieh, Vogel! 

Das A&O: 
Tatsächlich hat es 26 Jahre gebraucht, bis ich beim „echten“ Robinson Crusoe angekommen bin, ­– keine Kinderversion oder TV-adaptiertes Actionszenario. Ich gebe zu, dass es mich selbst überrascht hat: but it really was a good read! Und wer mal Anglistik-Hausarbeiten schreiben muss --> hier gibt’s wissenschaftlichen Analysestoff so weit der Inselhorizont reicht! 

Wo steht der Sitzsatz? 
Robinson Crusoe von Daniel Defoe (von 1719).
Meine Version: Wordsworth Classics // ISBN: 978-185326-045-2
 
Darf’s ein bisschen mehr sein? 
Diese Insel ist eine Lesereise wert. Und nur, wer sich einmal mit Robinson durch das Original geschlagen hat (egal, ob auf Deutsch oder Englisch), kann danach auch die vielen amüsanten Robinsonaden genießen und dort auf weitere einladende Sitzsätze hüpfen.