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Sonntag, 11. November 2012

Brief an Enid Blytons "Tomboy" Jo (Fünf Freunde / The Famous Five)

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Brief an Enid Blytons Josephine in "Fünf Freunde"

Liebe Jo,


wegen dir war ich mal eine ganze Weile in den Namen "Josephine" verknallt. Betraf nur die englische Version natürlich: "Dschohsefien" gesprochen, "Dschoh" im Spitznamen. Dabei kann der Name eigentlich gar nichts dafür, ist ja jetzt nicht soooo der Knallerklopper und steht sonst nur in weißer Schnörkelschrift auf blauen Tassen, die Oma vom Christkindlmarkt mitbringt. Hinter der britischen Buchstabenkombi und dem altbackenem Klang stand aber dein literarisches Selbst in all seiner rebellischen Kraft.

Im ersten Moment mochtest du als Duplikat des im protagonistischen 5-er Equipment schon vorhandenen Tomboy erscheinen: Mädel mit kurzen Haaren, das wegen seines Aussehens und seines Mutes für ein Junge gehalten wird (dazu kommen wir gleich noch) – klar, das ist George, die nieNIEMALS bei ihrem Taufnamen Georgina gerufen werden wollte (und sollte). Da musste deine Autorin, Enid Blyton, noch eine gehörige Portion draufsetzen, ein Gegensatz zur behüteten Profesorinnentochter schaffen. So ließ sie dich in einem Wohnwagen leben, Türme hochklettern, gegen die Jungs kämpfen und ungepflegt aussehen … wild. Kurzum: DU warst NOCH COOLER als George!

Nun erschien dieses Buch in der Fünf Freunde / Famous Five -Reihe ursprünglich in den 1950er und deine Autorin war bemüht, dein „aus der Rolle fallen“ immer wieder zu erden. Dass auf meiner Hörkassette das Wort „Wildkatze“ fiel, um dich zu charakterisieren, ging mir auch in jungen Jahren schon gegen den Strich, war es dem süßen Schmusekätzchen doch näher als dem geschmeidig gefährlichem Gepard, der du wirklich warst. Dennoch glaube ich, dass du ein heimlicher Favourite von Enid Blyton in ihrer Figurenliste warst. Ausgerechnet George lässt sie das im Kontext gesehen höchste Kompliment an dich aussprechen: „You’re as good as a boy.“ Kontext hin und Konnotation her … über Sätze wie diesen und deren Bedeutung zwischen den Zeiten und Zeilen könnte man ganze Hausarbeiten schreiben (naja, ehrlich gesagt habe ich das sogar einmal getan, war ja klar. Gender roles in Enid Blyton’s "The Famous Five"). Außerdem bist du eine der wenigen (gar einzigen?) Nebenfiguren, die gleich zweimal Einzug in die Abenteuer der Fünf Freunde halten darf. Nur zweimal – leider, finde ich noch heute.

Und weißt du, Jo, wärest du einige Jahrzehnte später auf die Kinderbuchwelt gekommen, dann  hätte ich mich auf Umwegen bestimmt immer noch in deinen Namen verknallt, du dich aber vielleicht nicht in Dick/Richard. Sondern in George.

Wenn ich mal Efeu am Haus besitze (wobei in der Reihenfolge blöderweise erst überhaupt ein Haus und dann dessen Bewuchs kommt), dann werde ich den Efeu Jo nennen. Denn nur du kannst genauso gut an Wänden hochklettern. Und auf jeden Fall besser als jede olle Wildkatze.

Dein Fan beyond The Famous Five

das A&O 

 

 

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Wie sieht's aus, erinnert ihr euch noch an Jo und wenn ja, auf welche Art? Oder hattet ihr mit den "Fünf Freunden" gar nie etwas am Abenteuer-Hut?

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Samstag, 15. September 2012

Eigene Sitzsätze: Brief an den Bücherwühltisch

0 Sitzkommentare
Eigener Sitzsatz von das A&O: "Brief an den Bücherwühltisch"


Lieber 

  Bücherwühltisch,


ich sag dir jetzt mal, wie das immer läuft. Spot auf ein beliebiges Montagmittagszenario: Milch ist alle, Sprudel brauch ich und überhaupt muss frisches Futter her. Meine Shopping-Scheuklappen sitzen gut, alle anderen Konsumläden ohne essbare Waren werden gewissenhaft ausgeblendet. So läuft das, wenn ich lauf ­­­– zum Supermarkt. Und dann kommst du. Stehst nur rum und siehst gut aus. Flatterst deine unzählbaren Seiten an meinen schwächelnden Scheuklappen vorbei und  drückst mir deine buchstabenbunten Buchcover direkt in die längst vom Weg abgekommenen Augen. Und schon durchwühl ich dich. So, wie du’s brauchst. Und ich auch.

Aber brauch ich dich wirklich? „Mondscheinangeln für AnfängerInnen“ oder „Best of Steuererklärung 2009“? Naja, vielleicht verschenke ich ja mal „Lustige Stehaufmännchen zum Einschlafen“ oder lese den „Die Fantasyelfentrollenprophezeiungsschlacht 1-8“-Sammelband am Strand, zu dem ich niemals fahre, weil ich doch nur Städtereisen mache. 
Ja, die Titel sind alle frei erfunden, lieber Bücherwühltisch, aber wir wissen doch beide, dass du in Wahrheit nur wenig anders klingende Buchnamen beherbergst. Ich weiß es ganz sicher, denn ich kenn sie alle. Mit dir verhält es sich nämlich wie mit den kleinen Luftlinsen auf der Verpackungsfolie: Man muss sie verdammt noch mal jede! einzeln! durchgehen!

Hab ich dich dann bis zum wirklich hinterletzten „Rosarunde Pilcher“-Pestrest durchgeflappt, kann ich endlich mit der gemachten Bücher-Beute zur Kasse. Und dann direkt nach Hause. Einkaufsgeld hast du mir jetzt nämlich komplett aus der Tasche gewühlt. Also keine Milch. Nur frisch sprudelndes Lesefutter. Freu mich schon, wenn ich dir das nächste Mal in die Tischbein-Arme lauf. Lass uns das Wühltisch-Techtelmechtel-Treff doch dann nur bitte nach der Scheuklappen-Supermarkt-Session ansetzen.
Das wäre fantas-TISCH.

Dich auf ewig treu durchwühlend

Das A&O

 

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Da ist noch Platz auf dem Briefpapier, was wolltet ihr dem Bücherwühltisch schon immer mal schreiben? Antworten an das A&O auch per Comment sofort zustellbar! :)
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