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Dienstag, 25. September 2012

Schokostreuselsardinentorte (Weltuntergang am Esstisch mit Jasper Fforde)

11 Sitzkommentare


Sitzsatz:                                                                                   

GRAU (auf Blau) von Jasper Fforde
„Ich brauche ein halbes Pfund Milchreis“, sagte ich, außerdem Pfirsische, Schuhputzcreme, eine große Rübe, eine Dose Sardinen und eine Tüte Schokostreusel.“
Tommo zog ein Notizbuch aus seiner Tasche und schrieb etwas auf.
„Stimmt was nicht?“
„Nein, nein“, antwortete er, „ich will mir nur merken, deine nächste Einladung zum Essen lieber auszuschlagen.“


Mein Sitzsenf:                                                                            

Dieser Sitzsatz ist ein Stuhl am Esstisch. Und er bleibt unbesetzt. Denn was Protagonist Eddie Russet der Nebenfigur Tommo und unserem mitlesendem Kopfkino dort kredenzt, liest sich wahrlich ungemütlich-unschmackhaft. Das A&O war so frei, das Zutaten-Konstrukt in der folgenden Grafik kurz zusammenzuklöppeln und nennt das so Entstandene „Rüben-Horror-Terror-Torte à la Russet“:

„Rüben-Horror-Terror-Torte à la Russet“ von das A&O
 Und im Ernst, dieses Buch ist wahrlich eine Torte:
  • vielstöckig (dies ist der erste 490 Seiten starke Teil einer Trilogie),
  • vielschichtig (postapokalyptische Dystopie mit Gesellschaftskritik meets Alice in Wonderland-Erinnerungen mit Tollpatsch-Protagonist),
  • im wahrsten Sinne des Wortes kunterbunt (die Menschheit und das gesamte Gesellschafts“system“ ist hierarchisch in Farbmuster unterteilt) 
  • und jede dramaturgische Geschmacksrichtung von amüsant-unterhaltsam über Freundschafts- und Sowasähnlicheswieliebesgeschichte bis beängstigend-bedrückend vereinend.
Jasper Fforde, dem A&O schon als vor Humor übersprudelnder Autor von The Eyre Affair bekannt, hat hier einen „eigentlich Endzeitroman“ verfasst, der vor Worttalent und –witzzz spritzzzt. Ist nicht einfach zu lesen, viele neue Wort- und Weltschöpfungen, aber genau das hat mich, bevor ich „Pfirsisch“ sagen konnte, schon suchtgnadenlos in den Buchbann gezogen. Und weil der Roman schier unbeschreiblich ist, kann man sich bei weiterem Interesse ja hier das eigene Web-Universum von Eddie Russet anschauen.

Das A&O:                                                                               

Gefunden habe ich GRAU als reduziertes Anschauungsexemplar im Buchladen – Bücherwühltisch in abgeschwächter Version quasi. Viele Leute können es nicht angeguckt haben, sieht ganz unberührt aus. Yap, diese Romantorte ist sicherlich nicht nach jedem Lesegeschmack.
Wer aber noch meint, Weltuntergang und Wortwitz passen so gut zusammen wie Milchreisrüben auf eine Schokostreuselsardinentorte, kann sich in GRAU ja eines Bunteren belehren lassen. 
Ich mache auf jeden Fall noch eine Portion Spannungssahne drauf und wünsche guten Leseappetit auf dem Esstischstuhl!
 
Wo steht der Sitzsatz?                                                           
GRAU von Jasper Fforde (von 2011). Eichborn // ISBN: 978-3-8218-6140-1
 
Darf’s ein bisschen mehr sein?                                                    
Wer beim Buchtitel zuerst an 50 Shades of Grey gedacht hat, ist vor dem Schlafzimmer falsch abgebogen. Das A&O ist in diesem synapsenverzwirbelnden Werk richtig gelandet und wird für die nächsten beiden Bände noch mal Platz nehmen. Dieses Farbenuniversum muss gesprengt werden und Jasper Fforde hat die passenden Leselunten gelegt.

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Wie schmeckt euch diese Horror-Torte? 
Welche Lesefarben sind sonst nach eurem Geschmack?
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