Montag, 22. Oktober 2012

Alliterarisch durch die Jahreszeiten

7 Sitzkommentare
Im Herbst fallen die Bücher von den Bäumen. Leselaub liegt bunt auf den raschelnden Regalen.
Die einzelnen Blätter wegblasen? Buch bewahre! Mit Kapitelkleber kommen sie in einem großen Album zu den kalten Monaten. Und im Frühling säh ich Satzsamen daraus, um im Sommer auf Wortwiesen zu wandeln.


Das A&O wandelt auf Wortwiesen: "Alliterarisch durch die Jahreszeiten"





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Wer kommt mit in den literarischen Gemeinschaftsgarten?
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Montag, 15. Oktober 2012

Es is mir egal, wie Harry Potter riecht! (Im Hundekörbchen mit Anne Holt)

2 Sitzkommentare
Sitzsatz:                                                                                   
Ob Anne Holt je an Harry Potter gerochen hat?
„Ab und zu denke ich daran", sagte Hanne vage. Dass ich aus meiner Kindheit nur diese Liebe zu dicken, großen Büchern behalten habe. Nefis lacht darüber. Ich lese immer nur dicke Bücher, die riechen am besten."





Mein Sitzsenf:                                                                            
Hanne ist die Hauptfigur in einer von Anne Holts sssspektakulär sssspannender Krimireihen. Die Autorin selbst sagt über sie: "Hanne Wilhelmsen hat einen komplizierten Charakter. Es ist unmöglich, sie zu beschreiben. Über sie habe ich eine Akte, die ist so dick und schwer wie eine Stasi-Akte." (Klick hier zum kompletten Interview). 

Für alle, die weder Einsicht in die bisher erschienenen neun HW-Bände noch in Anne Holts Akte über ihre Protagonistin gehabt haben, sei zumindest Folgendes zusammengefasst: 
  • HW ermittelt als Komissarin in allen mannigfaltigen Mosaikteilchen (führt Befragungen durch, bezieht Stellung in dunklen Gassen, Bars und Wohnzimmern;  muss sich verstecken, andere verfolgen und schwer in Schwierigkeiten geraten), 
  • sie macht die Nächte durch (meist mit ihrem Kollegen Billy T, selten mit ihrer Lebensgefährtin Nefis), 
  • sie beherrscht Computer, Autos und die Kollegschaft. 
  • Manchmal scheint sie sogar zu essen. 
  • Aber eines, das tut Anne Holts stets stark vereinnahmte Protagonistin nie. Und das ist Bücher lesen. Nicht mal dünne, schlecht riechende.
Dennoch spricht der Sitzsatz Bände. Über Hannes traurige Kindheit erfährt die Holt-e Leserschaft nämlich gerade in Die Wahrheit dahinter so einiges. " Sie verbrachte die letzten zwanzig Jahre ihres Lebens damit, die ersten zwanzig zu vergessen", so die Autorin im schon zitierten Interview. Dicke Bücher gehörten da noch zu den liebevollsten Kindheitsgefährten. 
Weiß man all dies nicht, bleibt zumindest die eine "putzige" Aussage übrig: Bücher riechen --> dicke am besten --> deswegen nur die lesen. Es gibt einen Cartoon, in dem eine Figur, die sonst keine Nase hat, plötzlich einen prächtigen Riechkolben im Gesicht ihr Eigentum nennen darf und ob des neuen körperlichen Sinns umherflitzt, nein, schwebt und in rasanter Abfolge alles so sehr riecht, das es schier in deren Nasenlöcher hineingesogen wird. Eines der zu beschnüffelnden Ob- und Subjekte ist ein schlafender Hund, dem zwischen angehoben, eingeschnuppert und wieder abgesetzt werden nur die Zeit bleibt, verwirrt ein Auge zu öffnen. So meine Erinnerung. Fand ich immer irre komisch. In eben dieses Cartoon-Szenario baute ich beim Lesen jedenfalls kurz HW ein, die durch Räume, Klassen und Bibliotheken schwebt und an dicken Büchern riecht (die nach dem Abstellen verwirrt ein Auge öffnen).
Dieser Sitzsatz ist also ein Hundekörbchen. Gemütlich und gutriechend? Neinnein. Die Anleinwege der Cartoongedankenkette sind unergründlich. 
Und egal, wie "putzig" ich es finde, wenn jemand nur dicke Hundekörbchenbücher liest. Harry Potter werde ich deswegen trotzdem niemals aufschlagen! ;)
Das A&O:                                                                               
Das A&O hat sich auf der Wortwiese mal wieder nur an die buntesten Stellen verirrt (und das so ausführlich, wie noch nie, hossa!). Selbst in einem Krimi von der meisterhaften Meisterin Anne Holt, der wie immer so spannend ist, dass man ihn nur lesen kann, wenn alle Lichter an sind und nur deshalb jemals dabei pausiert, weil die Augen naturbedingt iiiirgendwann eben doch zufallen.
Dennoch besitze ich keins der Bücher selbst. Alle ausgeliehen. Und zurückgegeben. Verdammt!
 
Wo steht der Sitzsatz?                                                           
Die Wahrheit dahinter von Anne Holt (von 2004). Piper // ISBN: 978-3-49204-609-1
 
Darf’s ein bisschen mehr sein?                                                    
Anne Holts Bücher kann man am liebsten in einem Haps aufessen, aber man braucht einen Magen mit starken Nerven. Nie habe ich so intelligent verknüpfte Erzählstränge gelesen, die sich vor Spannung fast selbst in die Buchstabenhose machen.

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Weiß jemand, wer diese nasengewinnende Comicfigur in meiner Leseerinnung ist? Wie riecht euer Lieblingsbuch? Und was ist die Wahrheit dahinter?
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Mittwoch, 10. Oktober 2012

Buchmesse Frankfurt rattert voll Wunder (Limerick)

0 Sitzkommentare
Limerick von das A&O: "Buchmesse Frankfurt"
Die Hallen, voll und voller,
Rolltreppen rattern doll und doller.
Große Lesesuche:
die Messe zum Buche.
Voll Wunder und wundervoller.


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Na, wer rollt bereits durch die Bücherhallen in Ffm und kann ein paar Eindrücke dalassen?
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Samstag, 29. September 2012

Book's Liberations Movement (Limerick)

2 Sitzkommentare
Wärn Menschen wie Bücher dann hätten
alle bindende Etiketten.
Nichts andres im Kopf
als Sternchen aus Blogs.
Das System würd uns stinken, wetten?


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Was würde denn auf eurem "einordnenden Ettikett" stehen, das den Umfang, Charakter, Spannungskurve und Preis beurteilt? ;) Da merkt man erst, wie schön es ist, ganz frei über die Wortwiesen zu den BUCHstabenblumen zu laufen, nicht oder?
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Dienstag, 25. September 2012

Schokostreuselsardinentorte (Weltuntergang am Esstisch mit Jasper Fforde)

11 Sitzkommentare


Sitzsatz:                                                                                   

GRAU (auf Blau) von Jasper Fforde
„Ich brauche ein halbes Pfund Milchreis“, sagte ich, außerdem Pfirsische, Schuhputzcreme, eine große Rübe, eine Dose Sardinen und eine Tüte Schokostreusel.“
Tommo zog ein Notizbuch aus seiner Tasche und schrieb etwas auf.
„Stimmt was nicht?“
„Nein, nein“, antwortete er, „ich will mir nur merken, deine nächste Einladung zum Essen lieber auszuschlagen.“


Mein Sitzsenf:                                                                            

Dieser Sitzsatz ist ein Stuhl am Esstisch. Und er bleibt unbesetzt. Denn was Protagonist Eddie Russet der Nebenfigur Tommo und unserem mitlesendem Kopfkino dort kredenzt, liest sich wahrlich ungemütlich-unschmackhaft. Das A&O war so frei, das Zutaten-Konstrukt in der folgenden Grafik kurz zusammenzuklöppeln und nennt das so Entstandene „Rüben-Horror-Terror-Torte à la Russet“:

„Rüben-Horror-Terror-Torte à la Russet“ von das A&O
 Und im Ernst, dieses Buch ist wahrlich eine Torte:
  • vielstöckig (dies ist der erste 490 Seiten starke Teil einer Trilogie),
  • vielschichtig (postapokalyptische Dystopie mit Gesellschaftskritik meets Alice in Wonderland-Erinnerungen mit Tollpatsch-Protagonist),
  • im wahrsten Sinne des Wortes kunterbunt (die Menschheit und das gesamte Gesellschafts“system“ ist hierarchisch in Farbmuster unterteilt) 
  • und jede dramaturgische Geschmacksrichtung von amüsant-unterhaltsam über Freundschafts- und Sowasähnlicheswieliebesgeschichte bis beängstigend-bedrückend vereinend.
Jasper Fforde, dem A&O schon als vor Humor übersprudelnder Autor von The Eyre Affair bekannt, hat hier einen „eigentlich Endzeitroman“ verfasst, der vor Worttalent und –witzzz spritzzzt. Ist nicht einfach zu lesen, viele neue Wort- und Weltschöpfungen, aber genau das hat mich, bevor ich „Pfirsisch“ sagen konnte, schon suchtgnadenlos in den Buchbann gezogen. Und weil der Roman schier unbeschreiblich ist, kann man sich bei weiterem Interesse ja hier das eigene Web-Universum von Eddie Russet anschauen.

Das A&O:                                                                               

Gefunden habe ich GRAU als reduziertes Anschauungsexemplar im Buchladen – Bücherwühltisch in abgeschwächter Version quasi. Viele Leute können es nicht angeguckt haben, sieht ganz unberührt aus. Yap, diese Romantorte ist sicherlich nicht nach jedem Lesegeschmack.
Wer aber noch meint, Weltuntergang und Wortwitz passen so gut zusammen wie Milchreisrüben auf eine Schokostreuselsardinentorte, kann sich in GRAU ja eines Bunteren belehren lassen. 
Ich mache auf jeden Fall noch eine Portion Spannungssahne drauf und wünsche guten Leseappetit auf dem Esstischstuhl!
 
Wo steht der Sitzsatz?                                                           
GRAU von Jasper Fforde (von 2011). Eichborn // ISBN: 978-3-8218-6140-1
 
Darf’s ein bisschen mehr sein?                                                    
Wer beim Buchtitel zuerst an 50 Shades of Grey gedacht hat, ist vor dem Schlafzimmer falsch abgebogen. Das A&O ist in diesem synapsenverzwirbelnden Werk richtig gelandet und wird für die nächsten beiden Bände noch mal Platz nehmen. Dieses Farbenuniversum muss gesprengt werden und Jasper Fforde hat die passenden Leselunten gelegt.

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Wie schmeckt euch diese Horror-Torte? 
Welche Lesefarben sind sonst nach eurem Geschmack?
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